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Die Wirtschaftskrise begreifen (2. Teil)

Die Phase der Überlebtheit des Kapitalismus

III. Die historische Überlebtheit der kapitalistischen Produktionsweise und die Grundlagen seiner Überwindung

Die gewaltige Dynamik der inneren und äußeren Ausbreitung de Kapitalismus ist nicht ewig. Wie jede Produktionsweise in der Geschichte kennt auch der Kapitalismus eine Phase der Überlebtheit in der seine gesellschaftlichen Verhältnisse die Entwicklung seiner Produktivkräfte hemmen: „...Das kapitalistische System wird zum Hindernis für die Expansion der Produktivkräfte der Arbeit. An diesen Punkt angekommen tritt das Kapital, oder genauer die Lohnarbeit, in dasselbe Verhältnis zur Entwicklung des gesellschaftlichen Reichtums und den Produktivkräften, wie auch das System der Korporationen, die Servilität, die Sklaverei, und es wird notwendigerweise als ein Hindernis abgelehnt.“  [1] Wir haben also im Herzen der Umwandlungen und der Verallgemeinerung des gesellschaftlichen Verhältnisses der entlohnten Produktion den historisch begrenzten Charakter der kapitalistischen Produktionsweise zu suchen. In einem bestimmten Stadium, markieren die Ausbreitung der Lohnarbeit und ihre Dominanz, vermittelt durch die Bildung des Weltmarktes, den Höhepunkt des Kapitalismus. Anstatt weiterhin die alten Gesellschaftsverhältnisse mächtig auszurotten und die Produktivkräfte zu entwickeln, hat der hinfort obsolete Charakter des Lohnverhältnisses die Tendenz um jene Verhältnisse instand zu halten und die Entwicklung der Produktivkräfte abzubremsen: er ist immer außerstande um einen großen Teil der Menschheit zu integrieren, er erzeugt Krisen, Kriege und Katastrophen von wachsenden Umfang, und geht soweit die Menschheit mit der Vernichtung zu bedrohen.

1) Die Überlebtheit des Kapitalismus

Die fortschreitende Verallgemeinerung der Lohnarbeit bedeutet nicht daß sie überall eingepflanzt ist. Weit gefehlt. Sie bedeutet daß seine weltweite Dominanz alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft, die sich mit voller Kraft entfalten. Der Erste Weltkrieg öffnet dieses Zeitalter der großen Krisen die hauptsächlich international sind und dem Lohnverhältnis anhaften: (a) der nationale Rahmen ist zu eng geworden um die Sturmangriffe der kapitalistischen Widersprüche zu umfassen; (b) die Welt bietet nicht länger ausreichende Gelegenheiten und Schockdämpfer um eine externe Regulierung seiner internen Widersprüche zu gestatten; (c) im Nachhinein zeigt das Mißlingen der Regulierung die während der dreißig glorreichen Jahre in Kraft war die historische Unfähigkeit des Kapitalismus um langfristige interne Ausgleiche für seine eigenen Widersprüche zu finden, die seitdem mit einer immer barbarischeren Gewalt explodieren.

In dem Maße in dem er ein Konflikt planetarischen Ausmaßes geworden ist, nicht länger um die Eroberung, sondern um die Umverteilung der Einflußsphären, der Investitionszonen und der Märkte, markiert der Erste Weltkrieg endgültig den Eintritt der kapitalistischen Produktionsweise in seine Phase der Überlebtheit. Die zwei Weltkriege mit zunehmender Intensität, die größte Überproduktionskrise aller Zeiten (1929 – 1933), die gewaltige Wachstumshemmung der Produktivkräfte während der dreißig erbärmlichen Jahre (1914 – 1945), die Unfähigkeit des Kapitalismus um einen großen Teil der Menschheit zu integrieren, die Entwicklung des Militarismus und des Staatskapitalismus auf dem ganzen Erdball, das immer größere Wachstum der unproduktiven Ausgaben, sowie die historische Unfähigkeit des Kapitalismus um intern eine stabile Regulierung seiner eigenen Widersprüche zu schaffen, all diese Phänomene verwirklichen diese historische Obsoleszenz des gesellschaftlichen Produktionsverhältnisses der Lohnarbeit, die der Menschheit nicht anderes mehr zu bieten hat als eine Perspektive von immer größerer Barbarei.

2) Katastrophaler Zusammenbruch oder historische und dialektische, materialistische Geschichtsauffassung?

Die Überlebtheit des Kapitalismus bedeutet nicht daß er zum katastrophalen Zusammenbruch verurteilt ist. Es gibt keine vorab definierten quantitativen Grenzen innerhalb der kapitalistischen Produktivkräfte (sei es ein Prozentsatz der Profitrate, ein bestimmter Umfang der außer-kapitalistischen Märkte, usw.) die einen ‘Punkt Alpha’ bestimmen würden an welchem der Kapitalismus sich in den Tod stürze. Die Grenzen der Produktionsweisen sind vor allem gesellschaftlicher Natur, werden durch ihre inneren Widersprüche hervorgebracht, und durch den Zusammenprall dieser obsoleten Verhältnisse mit den Produktivkräften. Es ist also das Proletariat daß den Kapitalismus vernichten wird, jener wird nicht von selbst sterben in Folge ‘objektiver’ Grenzen.

Die Vision eines katastrophalen Zusammenbruchs entspringt einem vulgären und mechanischen Materialismus, so wie einem teleologischen Finalismus, der in der Arbeiterbewegung schon viel Schaden angerichtet hat. Sie hat eine große Zahl von Militanten entwaffnet, die ihre Überzeugungen auf der Basis eines nahen Endes des Kapitalismus gegründet hatten, anstatt sie auf ein materialistisches, historisches und dialektisches Verständnis der Geschichte und der gesellschaftlichen Entwicklung zu stützen. Welche Tiefen die Krisen des Kapitalismus in der Vergangenheit auch erreicht haben, und welche sie in der Zukunft noch erreichen werden, diese wirtschaftlichen Konvulsionen rechtfertigen alle wiederkehrenden Prognosen eines ‘wirtschaftlichen’ Endes der Welt überhaupt nicht. Diese haben sich übrigens seit beinahe einem Jahrhundert systematisch als falsch erwiesen. [2] Auf dem Hintergrund der Wirtschaftskrise wird der wirkliche Zusammenbruch des Kapitalismus politischer und gesellschaftlicher Natur sein.

Im Grunde sind es dieselben Tendenzen und Dynamiken des Kapitalismus die aus der Analyse Marxens hervortreten, die sich auch während der Phase seiner Überlebtheit manifestieren. Sie entfalten sich jedoch innerhalb eines Kontextes der sich grundlegend geändert hat. Ein Kontext in dem all seine wirtschaftlichen, sozialen und politischen Widersprüche unvermeidlich immer höhere Niveaus erreichen, sei es in sozialen Konflikten die regelmäßig die Frage der Revolution stellen, sei es in imperialistischen Auseinandersetzungen die die Zukunft der Menschheit selbst bedrohen. Anders gesagt: die ganze Welt ist vollständig eingetreten in dieses „Zeitalter der Kriege und Revolutionen“, wie die Dritte Internationale proklamierte, oder, wie Paul Mattick schrieb: „Im 20. Jahrhundert ist der Kapitalismus nicht länger im Stande den Stürmen der traditionellen zyklischen Krisen zu widerstehen.“  [3]

Das Zwischenspiel der dreißig glorreichen Jahre

IV. Der keynesiano-fordistische Staatskapitalismus als Urheber der dreißig glorreichen Jahre

Weit entfernt von diesem messianischen Katastrophismus erkennt der Marxismus die Möglichkeit von Phänomenen des Aufschwungs innerhalb der Epoche der Überlebtheit einer Produktionsweise. Beispiele hierfür waren schon der Versuch unter Karl dem Großen das Römische Reich zu rekonstruieren, und die Bildung der großen Monarchien des ‚Ancien Régimes’. Eine Klasse die mit ihrem Latein am Ende ist, versucht immer das Überleben ihres Systems mit allen Mitteln zu verlängern. Wenn man im Mäander eines Flußbettes steht, sollte man jedoch daraus nicht schließen daß der Fluß vom Meer in die Berge fließt! So ist es auch mit den dreißig glorreichen Jahren: die Bourgeoisie hat zeitweilig ein Zwischenspiel starken Wachstums aufführen können im Verlauf der allgemeinen Überlebtheit ihres Systems.

Die Große Depression von 1929 in den Vereinigten Staaten hat die ganze Gewalt aufgezeigt mit der die Widersprüche des Kapitalismus sich manifestieren konnten in einer Wirtschaft die von der Lohnarbeit dominiert wird. Man hätte also erwarten können daß sie von immer gewaltigeren Krisen in immer kürzeren Zeitabschnitten fortgesetzt worden wäre. Das geschah jedoch nicht. Der Grund hierfür ist daß die Situation sich merkbar geändert hatte, sowohl in den Produktionsprozessen (Fordismus) wie in den Kräfteverhältnissen zwischen den Klassen (und innerhalb dieser). Auch hat die Bourgeoisie bestimmte Lehren gezogen. So sind die dreißig erbärmlichen Jahre und die barbarischen Qualen des Zweiten Weltkriegs abgewechselt worden von gut dreißig Jahren starken Wachstums, einer Vervierfachung der Reallöhne, von Vollbeschäftigung, der Einführung eines Soziallohnes, und einer bestimmten Fähigkeit des Systems um zyklische Krisen zwar nicht zu vermeiden, jedoch abzuschwächen. Wie ist das alles möglich gewesen?

1) Die Grundlagen des keynesianisch-fordistischen Staatskapitalismus

In Abwesenheit von bedeutsamen Möglichkeiten von äußeren Abflüssen für seine Widersprüche, wie vor dem Ersten Weltkrieg, muß der Kapitalismus eine interne Lösung finden für seinen doppelten Zwang auf den Ebenen des Profits und der Märkte. Das hohe Niveau der Profitrate wird ermöglicht durch die Entwicklung von starken Steigerungen der Arbeitsproduktivität, die von der Verallgemeinerung des Fordismus im industriellen Sektor erzeugt werden. Das heißt: die Fließbandmontage im Dreischichtensystem. Die Märkte für diese enorme Warenmassen wurden garantiert durch die Ausbreitung der Produktion, durch Staatsintervention, so wie durch verschiedene Systeme die die Reallöhne an die Produktivität ankoppelten. Dieses ermöglichte es die Nachfrage parallel zur Produktion ansteigen zu lassen (Siehe die Grafik Nr. 2). Indem der Lohnanteil des gesamten produzierten Reichtums stabilisiert wurde, hat der Kapitalismus eine Zeit lang eine Überproduktion vermeiden können die „gerade daraus hervor[geht], daß die Masse des Volks nie mehr als die average quantity of necessaries konsumieren kann, ihre Konsumtion also nicht entsprechend wächst mit der Produktivität der Arbeit .“ [4]

Es ist dieses Verständnis daß Paul Mattick und andere zeitgenössische Marxisten wieder aufgenommen haben um die Nachkriegsprosperität zu analysieren: „Es ist unleugbar daß die Reallöhne im modernen Zeitalter gestiegen sind. Jedoch nur im Rahmen der Kapitalexpansion, die unterstellt daß das Verhältnis der Löhne zu den Profiten im Allgemeinen konstant bleibt . Die Arbeitsproduktivität mußte also mit einer Geschwindigkeit steigen die es zugleich ermöglichte um Kapital zu akkumulieren und das Lebensniveau der Arbeiter zu erhöhen .“ [5] Das ist der große wirtschaftliche Mechanismus des keynesianisch-fordistischen Staatskapitalismus: (a) ‘ein rapider Anstieg der Arbeitsproduktivität’ (b) die es ‘zugleich ermöglicht um Kapital zu akkumulieren und das Lebensniveau der Arbeiter zu erhöhen’ (c) und dieses Dank des ‘konstanten Verhältnisses der Löhne zu den Profiten’. Diese dreifache Präposition ist empirisch erwiesen worden durch die parallele Entwicklung von den Löhnen und der Produktivität in dieser Periode.

Grafik Nr. 2: Löhne und Produktivität in den Vereinigten Staaten. [6]

Erläuterung der Grafik:

Der Parallelismus zwischen den steigenden Produktivitätszuwächsen und den Reallöhnen ist seit dem Zweiten Weltkrieg quasi vollkommen. Seit den 1980ern zeigt sich jedoch eine klare und wachsende Diskrepanz zwischen beiden. Die Tendenz zu einer Diskrepanz zwischen den beiden Kurven ist dem funktionieren des Kapitalismus von Anfang an eigen, sie ist die Regel , der Parallelismus während der dreißig glorreichen Jahren ist dagegen die Ausnahme . Diese Diskrepanz materialisiert die permanente Tendenz des Kapitalismus seine Produktion (die obere Kurve der Produktivität) schneller zu steigern als seine fortan wichtigste zahlungsfähige Nachfrage: die Reallöhne (die untere Kurve).

Den spontanen Dynamiken des Kapitalismus Rechnung tragend (Konkurrenz, Lohnkomprimierung, usw.) war ein solches System nur Lebensfähig im Rahmen eines zwingenden Staatskapitalismus, der vertragsmäßig die Respektierung einer Politik der Umverteilung der Produktivitätszuwächse zwischen Profiten, Löhnen und Staatseinkommen garantierte. Eine Gesellschaft die forthin von der Lohnarbeit dominiert wird, zwingt faktisch jeder Politik der herrschenden Klasse eine soziale Dimension auf. Dieses unterstellt vielfältige wirtschaftliche und soziale Kontrollen der Arbeiterklasse: Soziallohn, Errichtung von Gewerkschaften, zunehmende Einkapselung der Arbeiterklasse, soziale Schockdämpfer, usw. [7] Diese beispiellose Entwicklung des Staatskapitalismus ist dazu da um die weiterhin explosiven Widersprüche des Systems in den Grenzen der Ordnung zu halten: Vorherrschaft der Exekutive über die Legislative, bedeutsames Wachstum der Staatsintervention in der Wirtschaft (die in den ‘90er Jahren in den OECD-Länder beinahe die Hälfte des Brutto Sozialproduktes erreicht), soziale Kontrolle der Arbeiterklasse, usw.

Diese zeitweilige Regulierung der inneren Widersprüche des Kapitalismus im nationalen Rahmen hätte nicht funktionieren können, wenn sie nicht auf internationaler Ebene eingeführt worden wäre (wenigstens im Rahmen der OECD-Länder). Dieses hat sich in einem inter-imperialistischen Kontext abgespielt, der charakteristisch ist für die Überlebtheit des Kapitalismus. Er wird charakterisiert von einer extremen Polarisierung zwischen zwei antagonistischen Blöcken, sowohl auf der imperialistischen Ebene (Die NATO gegen den Warschaupakt) wie auf der wirtschaftlichen (die OECD gegenüber der COMECON). Diese Polarisierung hat innerhalb jedes Lagers eine sehr starke Disziplin auferlegt, einschließlich auf der wirtschaftlichen Ebene, durch die Einführung von Organismen und einer strukturellen Politik der Integration und der gemeinschaftlichen Regeln, jedoch unter der Leitung des Blockführers (der USA respektive der UdSSR), und in Funktion seiner Interessen.

2) Ursprung, Widersprüche und Grenzen des keynesianisch-fordistischen Staatskapitalismus

Nach der Niederlage der deutschen Truppen in Stalingrad (Januar 1943) haben die politischen Vertreter der Bosse und der Gewerkschaften im Exil zu London intensiv die Reorganisierung der Nachkriegsgesellschaft diskutiert nach dem fortan unvermeidlichen Sturz der Achsenmächte. Die Erinnerung an die Qualen der dreißig erbärmlichen Jahre (1914 – 1945), die Angst vor sozialen Bewegungen am Kriegsende, die Lehren aus der Krise von 1929, die fortan sehr breite Akzeptanz der Staatsintervention, und die neue Zweiteilung der Welt bildeten ebenso viele Faktoren die alle Fraktionen der Bourgeoisie dazu drängten um die Spielregeln zu ändern, und um diesen keynesianisch-fordistischen Staatskapitalismus mehr oder weniger bewußt auszuarbeiten. Dieser sollte in allen entwickelten Ländern (die OECD-Länder) pragmatisch und fortschreitend eingepflanzt werden. Die Verteilung der Produktivitätszuwächse wird von allen um so einfachen akzeptiert, weil (a) diese Zuwächse hoch sind, (b) sie die Erhöhung der zahlungsfähigen Nachfrage parallel zur Produktion garantiert, (c) sie einen sozialen Frieden bietet, (d) der um so einfacher zu erlangen war weil das Proletariat noch viel tiefer geschlagen aus dem Zweiten Weltkrieg hervorging als es schon in ihn hineingegangen war, denn es hatte sich fest an die Parteien und Gewerkschaften binden lassen die den Wiederaufbau des Systems betrieben, und (e) weil diese Verteilung die langfristige Rentabilität der Investitionen garantiert, (f) sowie eine stabile Profitrate auf hohem Niveau.

Dieses System hat also zeitweilig die Quadratur des Kreises möglich gemacht, die darin bestand die Profitproduktion und die Märkte parallel wachsen zu lassen in einer Welt die weitgehend von der Nachfrage auf Lohnbasis dominiert wird. Das gesicherte Wachstum der Profite, der Staatsausgaben und der Reallöhne hat die effektive Nachfrage sichern können die für den erfolgreichen Abschluß der kapitalistischen Akkumulation unverzichtbar ist. Der keynesianisch-fordistische Staatskapitalismus ist die Antwort die das System zeitweilig finden konnte auf die Aktualität seiner Krisen auf Weltebene und auf der Ebene der Lohnarbeit, die so typisch ist für die historische Phase der Überlebtheit des Kapitalismus. Er hat ein selbstzentriertes Funktionieren des Kapitalismus ermöglicht, ohne das Delokalisierungen wegen der hohen Löhne und der Vollbeschäftigung notwendig gewesen wären; indem dieser sich der Kolonien entledigte, die ohnehin für die Metropolen mehr eine Belastung als ein Vorteil waren, [8] und indem er seine internen außer-kapitalistischen landwirtschaftlichen Sphären eliminierte, dessen Aktivitäten er forthin wesentlich subventionieren mußte, anstatt aus ihnen, wie vorher, Vorteil zu gewinnen.

Seit dem Ende der 1960-er Jahre bis 1982 degradieren alle Voraussetzungen die den keynesianisch-fordistischen Staatskapitalismus zum Erfolg verholfen haben, angefangen bei den Produktivitätszuwächsen, die immer weiter abnahmen. Diese schrumpften global auf ein Drittel zusammen und zogen alle anderen wirtschaftlichen Variablen mit nach unten. Die Umkehrung der Tendenz der Profitrate zeigt also sehr wohl die wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf, wie die Grafiken Nr. 1 und 4 klar darlegen. Die Deregulierung von ganzen Hauptteilen des keynesianisch-fordistischen Staatskapitalismus am Anfang der 1980-er Jahre war notwendig geworden um die Profitrate wieder herzustellen. Angesichts der strukturellen Schwäche der Produktivitätszuwächse, die auf einem sehr niedrigen Niveau stehen blieben, konnte die Erquickung der Profite jedoch nur durch Kompression der Lohnsumme erreicht werden (Siehe die Grafik Nr. 3). Die interne Regulierung des keynesianisch-
fordistischen Staatskapitalismus hatte also keine bleibende, ewig dauernde Basis.

3) Das Ende der dreißig glorreichen Jahre und der Übergang zum deregulierten Staatskapitalismus

Die Erschöpfung der Nachkriegsprosperität und der Degradierung des Wirtschaftsklimas während der ganzen Periode von 1969 bis 1982 sind im Grunde das Ergebnis einer abwärtsgerichteten Umkehrung der Profitrate. [9] Zu gleicher Zeit wurde die Konsumtion noch gestützt durch die Handhabung der Mechanismen der Lohnindexierung und der Nachfrageunterstützung. [10] Die Produktivitätszuwächse werden ab dem Ende der 1960er Jahre rückläufig, [11] und ziehen einen Fall der Profitrate mit sich, die bis 1982 um die Hälfte sinkt (Siehe die Grafik Nr. 4).

Es gibt grundsätzlich zwei Mittel um die Profitrate wiederherzustellen: durch Erhöhung der Produktivitätszuwächse oder durch Erhöhung der Ausbeutungsrate (bzw. durch eine Kombination beider) Da die erstgenannten sich im freien Fall befanden, wurde die Wiederherstellung der Profitrate wesentlich über eine Steigerung der Mehrwertsrate erreicht (Lohnkomprimierung und Zunahme der Ausbeutung). Dieses impliziert eine unvermeidbare Deregulierung der Schlüsselmechanismen die während der dreißig glorreichen Jahre den Wachstum der Nachfrage sicherten (siehe oben). Diese Wende fängt Anfang der 1980er Jahre an. Sie wird illustriert durch die fortwährende Verminderung des Lohnanteils in der Gesamtsumme des produzierten Reichtums.

Grafik Nr. 3: Entwicklung des Lohns als Teil des gesamten produzierten Reichtums: Frankreich, Europa, G7 [12]

Beachten wir die Stabilität dieses Lohnanteils während der dreißig glorreichen Jahren, und seine Steigung dank der Fortsetzung der Politik der Lohnindexierung (bei plötzlicher Abbremsung der Arbeitsproduktivität) in einem Kontext der Wiederaufnahme des Klassenkampfes seit dem Ende der 1960er Jahre und während der ganzen 1970er Jahre.

Im Großen und Ganzen dominiert während der 1970er Jahre der Gegensatz ‚Profitrate’ das Funktionieren des Kapitalismus, während die effektive Nachfrage immer gesichert ist. Genau umgekehrt ist es nach 1982: die Profitrate wird spektakulär wiederhergestellt, jedoch um den Preis einer drastischen Komprimierung des Wachstums der effektiven Nachfrage (der Märkte): wesentlich der Lohnmasse (siehe die Grafik Nr. 3), doch auch (in einem geringerem Maße) der Investitionen, denn die Akkumulationsrate ist auf niedrigem Niveau geblieben (siehe die Grafik Nr. 4).

Wir können jetzt also begreifen warum der wirtschaftliche Niedergang sich fortsetzt, und zwar einer wiederhergestellten Profitrate zum Trotz: die Komprimierung der effektiven Nachfrage (Löhne und Investitionen) erklärt warum, ungeachtet einer spektakulären Wiederherstellung der Rentabilität der Unternehmen, die Akkumulation und das Wachstum nicht wieder angekurbelt werden können. [13] Die drastische Reduzierung der effektiven Nachfrage erzeugt eine Kraftlosigkeit der Ausbreitungsinvestitionen, die Weiterverfolgung von Rationalisierungen durch Rückkäufe und Fusionen von Unternehmen, ein Dumping von Kapitalen und ungenützten Guthaben in der Finanzspekulation, eine Delokalisierung in der Suche nach billigen Arbeitskräften, eine Zunahme der unproduktiven Konsumtion ... was die effektive Nachfrage noch weiter herabdrückt. [14]

Die Wiederherstellung der Letztgenannten ist beinahe unmöglich unter den heutigen Voraussetzungen, da das Wachstum der Profitrate von der Senkung der Nachfrage abhängt! [15] Seit 1982 ist es also der Zeitablauf ‚Beschränkung der zahlungsfähigen Märkte’ der mittelfristig die wichtigste Rolle spielt um das Andauern der Schlaffheit der Akkumulation und des Wachstums, in einem Kontext der wiedergefunden Rentabilität der Unternehmen, zu erklären. Selbst wenn die Fluktuationen der Profitrate kurzfristig noch immer eine große Rolle spielen können in der Entfachung von Rezessionen, wie die Grafiken Nr. 1 und 4 klar darstellen.

Grafik Nr. 4: Profit, Akkumulation und Wirtschaftswachstum in der Triade (USA, Europa und Japan) : 1961 – 2006.

Erläuterung: Profitrate (%): linke Skala, Akkumulationsrate und Wachstumsrate (%): rechte Skala [16]

Die Periode vom Zweiten Weltkrieg bis heute bildet also eine Bestätigung des Rahmens der marxistischen Analyse der Überproduktionskrisen wie wir sie im ersten Teil dieses Artikels in Erinnerung gebracht haben. Ins Besondere ermöglicht sie es um alle monokausalen Krisentheorien zu widerlegen: Theorien die nur vom Fall der Profitrate ausgehen, sind nicht in der Lage zu erklären warum die Akkumulation und das Wachstum nicht wieder beschleunigen – wo diese Profitrate doch seit einem Vierteljahrhundert unerläßlich steigt. Doch Theorien die nur ausgehen von der Sättigung der zahlungsfähigen Nachfrage haben ihrerseits Schwierigkeiten das Wachstum der Profitraten zu erklären, denn nach ihnen müßten global gesättigte Märkte sich in einer Profitrate gleich Null niederschlagen! Getrennt sind diese beiden Erklärungen nicht im Stande der historischen Evolution des Kapitalismus und seiner Krisen vollständig Rechnung zu tragen.

Die Ursprünge der heutigen Krise

V. Die Grenzen des deregulierten Staatskapitalismus

Die Anforderungen die die Einführung des keynesianisch-fordistischen Staatskapitalismus (1945 – 1982) notwendig gemacht haben existieren weiterhin: da die Lohnarbeit in der aktiven Bevölkerung überwiegt, ist der Kapitalismus dazu gezwungen ein Mittel zur Stabilisierung der effektiven Nachfrage zu finden, um zu vermeiden daß ihre Komprimierung in eine Depression umschlägt. Da die Unternehmensinvestitionen beschränkt sind in Folge der drastischen Senkung des Lohnanteils (da die Unternehmen nicht zu Ausbreitungsinvestitionen angestachelt werden) müssen also andere Mittel gefunden werden um die Konsumtion zu sichern. Die Antwort während der ganzen Phase des deregulierten Staatskapitalismus (1982 – 2008) findet sich notwendigerweise in der Formel: immer weniger sparen, immer mehr Schulden machen. Der Fall der Ersparnisrate der Haushalte läßt die Konsumtion mit geschlossener Geldbörse ansteigen; der Anstieg der Verschuldungsrate läßt deren Ausgaben steigen ohne das dem Reallohnsteigerungen entsprechen. Wir haben hier also eine großartige Maschine zur Fabrikation von Finanz-Seifenblasen und zur Nahrung der Spekulation. Die fortwährende Verschlimmerung der Ungleichgewichte ist also nicht das Ergebnis von Fehlern in der politischen Ökonomie: sie ist ein festes Bestandteil des Modells selbst.

Der große Wirtschaftskrach von 2008 zeigt das Mißlingen dieses deregulierten Staatskapitalismus auf. Dieser hat genauso wenig wie der keynesianisch – fordistische Staatskapitalismus dauerhafte Lösungen für die inneren Widersprüche der kapitalistischen Akkumulation liefern können. Wenn die bedeutungsvolle Senkung des Lohnanteils seit 1982 die Wiederherstellung der Profitrate ermöglicht hat, so hat sie jedoch nicht die Akkumulationsrate wieder in Aufschwung gebracht, gerade wegen dieser Kompression der effektiven Nachfrage (Siehe die Grafiken Nr. 3 und 4). Die wichtigsten Konsequenzen hieraus sind einerseits die ‚Monetarisierung’ der Wirtschaft auf Basis dieser weiterhin verfügbaren Kapitalmassen (Steigung der Profitrate bei stagnierender bzw. rückläufiger Akkumulationsrate) gewesen, und andererseits das Anfachen einer effektiven Nachfrage auf Kredit, die Verminderung der Ersparnisse, die Haushaltsdefizite, und die Wiederaufnahme der Militärausgaben (in den USA wirken vor allem die drei letztgenannten Faktoren). Die spektakuläre Wiederherstellung der Profitrate durch Kompression des Lohnanteils hat nur die Verfalltermine aufgeschoben. Tatsächlich hat sie keine dauerhafte Lösung des Problems des Abschlusses des Akkumulationskreises bieten können, doch hat sie ein Monstrum geschaffen das diesen immer instabiler macht: die Monetarisierung der Wirtschaft.

Während die Profitund Akkumulationsraten bis zum Anfang der 1980er Jahre sich parallel entwickelten, mißt ihre spätere Divergenz die Zunahme jener nicht-akkumulierten Fraktion des Mehrwerts, die eine enorme Masse von flottierenden Kapitalen erzeugt. (Grafik Nr. 4) Diese Diskrepanz nährt immer wieder die Monetarisierung der Wirtschaft und die Spekulations-Seifenblasen. Diese Konfiguration erzeugt ein enormes Realisierungsproblem: Wenn der Lohnanteil absinkt und wenn die Investitionen stagnieren, wer wird dann die Produktion kaufen? Es gibt nur eine mögliche Antwort auf diese Frage: die Konsumtion von nicht – Lohneinkommen muß die Absenkung der lohnbedingten Konsumtion kompensieren. Wie die Grafik Nr. 5 aufzeigt, hat sich genau das seit 1982 massiv entwickelt.

Grafik Nr. 5: Lohnanteil und Anteil der Privatkonsumtion im Brutto Sozialprodukt (BIP), Europäische Union. [17]

Die Divergenz die sich seit 1982 zwischen den Profitund Akkumulationsraten eingestellt hat (Grafik Nr. 4) wird kompensiert durch die tiefer werdende Diskrepanz zwischen dem Lohnanteil und der effektiven Konsumtion (Grafik Nr. 5). Die Finanz dient dazu um diese Kompensation auf drei Weisen zu realisieren: (1) der nicht-akkumulierte Teil des Mehrwerts wird verteilt an Inhaber von Finanzeinkommen (Rentiers), die diesen zu einem wesentlichen Teil improduktiv konsumieren; (2) dieser Teil dient der Finanz auch dazu um die Verschuldung der Haushalte zu entwickeln, deren Konsumtion ansteigt (nicht wegen einer Progression der Löhne, sondern wegen der Steigung ihrer Erbeinkommen und der Senkung ihrer Ersparnisrate), (3) des Weiteren wird dieser Teil für eine Fraktion der Lohnarbeiter auch rezykliert über die Entwicklung von Entlohnungen in Form von Finanzangeboten.

Die Finanz ist also nicht ein Parasit auf einem gesunden Körper, sie nährt sich aus diesem wachsenden Teil der Profite der seit 1982 nicht investiert wurde. Diese Nichtinvestition ist jedoch nicht das Ergebnis eines Falls der Profitrate, oder einer Mangelhaftigkeit des Mehrwerts, wie die Verteidiger der monokausalen Krisenerklärung durch den Fall der Profitrate fälschlich meinen, sie ist das Ergebnis einer Überproduktion von Kapitalen nach einer starken Kompression der Lohnbedingten Nachfrage. Darum gibt es keinen ’guten’ produktiven Kapitalismus der von einem ‚schlechten’ Finanzkapital parasitiert würde, wie zahlreiche Kritiken aller Art behaupten, und wie Lenin es in Nachfolge von Hilferding entwickelte in Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Die Finanz ist kein Auswuchs dessen Eliminierung oder Regulierung genügen würde um zu einem ‚normalen’ Funktionieren des Kapitalismus zurückzukehren. Im Gegenteil, der zeitgenössische Kapitalismus ist ein ‚purer Kapitalismus’ in dem die Finanz ein Mittel seines Funktionierens ist im Hinblick auf die Abpressung eines Maximums an Profit durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse. Doch heute steht der König nackt dar: der Kapitalismus bevorzugt es nicht zu antworten auf gesellschaftliche Bedürfnisse die ungenügend profitbringend sind, um nicht eine Senkung seiner Profitrate zu riskieren.

Im Grunde stellt diese Neigung des Kapitalismus um einen geringeren Teil seiner Profite zu investieren die wesentliche Elastizität dieser Produktionsweise in Frage. Denn die Quelle dieser Krise ist fundamental die wachsende Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Bedürfnissen der Menschheit und die dem Kapitalismus eigenen Kriterien. Die gesellschaftliche Nachfrage erstreckt sich immer mehr auf Waren die nicht dazu geeignet sind um mit dem Maximum an Rentabilität produziert zu werden. Die Produktivitätszuwächse die von den neuen Technologien und der Innovation ermöglicht werden, führen zu einem (konkurrierendem) Angebot das immer weniger mit dieser gesellschaftlichen Nachfrage übereinstimmt, und das darum als ungenügend profiterzeugend erscheint. Da die Bedürfnisse der Bevölkerung sich immer mehr auf soziale– und Dienstleistungsgüter richten, hat der Kapitalismus immer größere Schwierigkeiten um ihre Befriedigung mit seinen eigenen Rentabilitätskriterien zu versöhnen. Das bedeutet nicht daß der Kapitalismus von selbst zusammenbricht, sondern daß er nur in immer regressiveren Formen weiter existieren kann.

VI. Fazit: und morgen?

Dieser Abstieg in die Hölle ist um so mehr in die gegenwärtige Situation eingeschrieben wie die Voraussetzungen für eine Wiederherstellung der Produktivitätszuwächse und eine Rückkehr zu ihrer ‚sozialpartnerschaftlichen’ Umverteilung gesellschaftlich nicht vorhanden sind. Es gibt nichts tastbares in den wirtschaftlichen Voraussetzungen, im gegenwärtigen Zustand der Verhältnisse zwischen den gesellschaftlichen Kräften und in der Konkurrenz auf internationalem Niveau, das auf irgendeine Lösung hindeutet: Alles läuft hinaus auf eine Fesselung in einer langwierigen und tiefen Rezession und in einer drastischen Austerität. Es geht also darum die Alternativen zu befruchten die unvermeidlich aus dieser Vertiefung der Gegensätze des Kapitalismus hervortreten.

C. Mcl.

[1Marx, Grundrisse (Manuskripte von 1857-58). Quelle: La Pléiade, Économie II: 272 – 273.

[2(1.) Luxemburgistischer Katastrophismus der K.A.P.D. (Essen-Tendenz) am Anfang des 20. Jahrhunderts. (2) Bankrott von zahlreichen politischen Oppositionsgruppen der III. Internationalen, die 1929 das Ende des Kapitalismus vorhersagten auf analogen Grundlagen. (3) Lähmung und Verschwinden der Italienischen Linken (Bilan) 1940 in Folge ihrer Katastrophen Theorie von der Kriegswirtschaft. (4) Verschwinden der kommunistischen Linken Frankreichs (GCF, Internationalisme) die 1952 die permanente Krise und den 3. Weltkrieg vorhersagte auf der Basis der Analyse von Rosa Luxemburg. (5) Zahlreiche Spaltungen bei den Bordigisten in Folge der Vorhersage einer katastrophalen Krise in 1975.

[3Aus: ‘Le capital aujourd’hui’, herausgegeben von Maximilien Rubel in Études de marxologie, nr. 11, Juni 1967.

[4Karl Marx, ‘Theorien über den Mehrwert’ (2. Teil, S. 465) 16. Kapitel: Ricardo’s Profittheorie, (e)

[5Paul Mattick, „Intégration capitaliste et rupture ouvrière.“ EDI: 151. Oder auch: „Löhne und Profite können steigen wenn die Arbeitsproduktivität genügend ansteigt...“ (‘Le Capital aujourd’hui’, M. Rubel, 1967).

[6Quelle: A. Parienty, Produktivität, Wachstum, Arbeit, Sammlung CIRCA, A. Colin 2005, S. 94. (Französisch.)

[7„Der Lohn selbst ist in den Staat integriert worden. Die Feststellung, nach seinem kapitalistischen Wert, ist staatlichen Organismen zugeteilt worden.“ (Internationalisme Nr. 46, Mai 1952), Auszug des Artikels ‘Die Entwicklung des Kapitalismus und die neue Perspektive’.

[8Die Kolonien, und die Dritte Welt mehr im Allgemeinen, blieben Orte von geostrategischer Bedeutung und Lieferanten von bestimmten Rohstoffen und exotischen Produkten. Kommerziell verlieren sie jedoch sehr viel von ihrer relativen Wichtigkeit. Seit dem Ende der 1930er Jahre im Sinne der Dritten Welt gegenüber den entwickelten Ländern, und seit dem Anfang der 1950er Jahre im umgekehrten Sinne.

[9Selbstredend mündet eine Rentabilitätskrise zwangsläufig in einem endemischen Zustand der Überproduktion sowohl von Kapitalen wie von Waren. Diese Phänomene der Überproduktion waren Folgeerscheinungen und wurden zum Objekt einer Politik der Resorption sowohl durch die Öffentliche Hand (Produktionsquoten, Umstrukturierungen, usw.) wie durch private Aktoren (Fusionen, Rationalisierungen, Wiederkäufe, usw.).

[10Während der 1970er Jahre erlitt die Arbeiterklasse die Krise in den Formen einer Degradierung ihrer Arbeitsbedingungen, von Umstrukturierungen und Entlassungen, und also durch eine spektakuläre Zunahme der Arbeitslosigkeit. Im Gegensatz zur Krise von 1929 zieht die Arbeitslosigkeit keine rezessive Spirale nach sich, dank des Einsatzes von keynesianischen sozialen Schockdämpfer: Arbeitslosengeld, Umschulungsentschädigung, Kündigungsansage, usw.

[11Die Arbeitsproduktivität bildet bei Marx die Schlüsselvariable der Entwicklung des Kapitalismus, denn sie ist nichts anderes als die Inversion des Wertes, d.h. der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeitszeit um die Waren zu produzieren.

[13Die Grafik Nr. 4 zeigt uns dass das Wirtschaftswachstum und die Akkumulation seit 1982 zwischen 2 und 3 Prozent hinund herschwanken. Während den guten Nachkriegsjahren schwankten diese zwischen 4 und 6 Prozent, standen also auf doppelt so hohem Niveau. Für manche großen Länder wie Deutschland und Japan war dies noch höher.

[14Daher der ‚skandalöse’ Paradox von Unternehmen die entlassen, rationalisieren und umstrukturieren, während sie gleichzeitig erstaunliche Profite machen.

[15Die Schwächlichkeit der Produktivitätszuwächse, die Deregulierung der keynesianisch-fordistischen Mechanismen, und das ‚jeder für sich’ machen zur Stunde diesen Wiederanstieg der effektiven Nachfrage sozialökonomisch wie politisch unmöglich. Dieses im Gegensatz zu den dreißig glorreichen Jahren, in denen die Produktivitätssteigerung das parallele Wachstum von Nachfrage und Profite ermöglichte (siehe oben).

[17Quelle: M. Husson: „Was bei der Krise auf dem Spiel steht“ http://hussonet.free.fr/brechcriw.pdf